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	<title>k u n s t        u n ( d )         s i n n &#187; Kopfsache</title>
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	<description>&#34;Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.&#34;                                                   (Ludwig Hevesi, Wahlspruch der Wiener Secession)</description>
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		<title>Kopfsache: Die Leichtigkeit in André Kertész Fotografien</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Jun 2011 14:44:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laila</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kopfsache]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[klassische Avantgarde]]></category>
		<category><![CDATA[Retrospektive]]></category>

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		<description><![CDATA[Retrospektive „André Kertész-Die Fotografien“ im Martin-Gropius-Bau Ein Mann taucht kopfüber in einen Open Air Pool ein. Seine Fußsohlen lugen noch über dem Wasserrand hervor, während der athletische Körper des Schwimmers bereits unter die Wasseroberfläche gleitet. Wie bei einer Fischhaut, ist seine Gestalt überzogen von schimmernden Lichtreflexen der in das Becken scheinenden Sonnenstrahlen. Der „Unterwasserschwimmer“ ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<div id="attachment_247" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><strong><strong><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/06/03_Schwimmer-2.jpg"><img class="size-medium wp-image-247" title="André Kertész" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/06/03_Schwimmer-2-300x219.jpg" alt="" width="300" height="219" /></a></strong></strong><p class="wp-caption-text">Schwimmer unter Wasser, 1917</p></div>
<p><strong>Retrospektive „André Kertész-Die Fotografien“ im Martin-Gropius-Bau</strong></p>
<p>Ein Mann taucht kopfüber in einen O<em>pen Air Pool </em>ein. Seine Fußsohlen lugen noch über dem Wasserrand hervor, während der athletische Körper des Schwimmers bereits unter die Wasseroberfläche gleitet. Wie bei einer Fischhaut, ist seine Gestalt überzogen von schimmernden Lichtreflexen der in das Becken scheinenden Sonnenstrahlen.</p>
<p>Der „Unterwasserschwimmer“ ist ein frühes Meisterwerk des ungarischen Fotografen André Kertész aus dem Jahr 1917.<span id="more-241"></span></p>
<p>André Kertész (1894-1985) entwickelte unabhängig von künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts eine intuitive Bildsprache, in der das Poetische des Alltäglichen im Mittelpunkt stand.</p>
<p>Zu Inkunabeln der Fotografiegeschichte wurden besonders Kertész Sachfotografien, wie „Mondrians Brille“ (1926) oder „Die Gabel“ (1929).</p>
<p>Die Karriere des Autodidakten Kertész, der sich selbst augenzwinkernd als „ewigen Amateur“ bezeichnete, verlief nie geradlinig.</p>
<p>Kertész war einer der wichtigsten Wegbereiter der europäischen Kunstfotografie und zugleich Mitbegründer der Fotoreportage. Eine angemessene künstlerische Anerkennung für sein Werk jedoch blieb ihm lange Zeit verwehrt. Zu Unrecht.</p>
<p>Nun würdigt der Martin-Gropius Bau den Ausnahme-Fotografen mit einer umfangreichen Retrospektive, zusammengestellt vom Jeu de Paume in Paris, die auch seine ausgezeichneten Foto-Reportagen einschließt.</p>
<p>Die schlicht titulierte Ausstellung <strong>´André Kertész – Fotografien´</strong> zeigt über 300 Abbildungen eines bewegten Lebens, das grob gegliedert die drei Stationen Budapest, Paris und New York umfasste.</p>
<p>Kertész war kein Fotograf, der einfach schöne Bilder schuf. Im Gegensatz zur objektiven Fotografie verwandelte Kertész, beinahe wie ein Dichter, schlichte Motive wie den Himmel oder Licht und Schatten in Bild-Metaphern – so etwa in der Fotografie des „Unterwasserschwimmers“.</p>
<p>André Kertész, mit bürgerlichem Namen Andor, wurde 1894 an das Ende einer bereits verblühenden Epoche geboren. Der Sohn des jüdischen Buchhändlers <em>Lipót Kertész</em> verbrachte während der letzten Jahre der ungarisch-österreichischen Monarchie eine kulturell stimulierende Budapester Kindheit.</p>
<p>„Bandi“, wie er mit Kosenamen gerufen wurde, träumte schon als Kind davon, Fotograf zu werden. Er hielt das Leben wie in einem visuellen Tagebuch fest und streifte mit der Kamera erkundend durch Budapest und das ländliche Ungarn. Zugleich schuf er reduzierte und ausdrucksstarke Porträts, besonders von seiner Mutter.</p>
<p>Auf Wunsch des Vaters absolvierte er aber bis 1912 die Handelsakademie und begann an der Börse zu arbeiten. Erst nach dem Tod des Vaters widmet sich Kertész ganz der Fotografie.</p>
<p>Mit Anfang zwanzig wurde Kertész in den ersten Weltkrieg eingezogen, den er bis 1918 dokumentierte. Mit einer Kriegsverletzung gelangte Kertész in das nordungarische Esztergom, wo die vertikal aufgenommene Bildkomposition des Schwimmers entsteht.</p>
<p>Kein Wunder, dass der (eskapistische) Wunsch „abzutauchen“ Kertész beherrschte angesichts eines Krieges, der das alte Europa für immer verändern sollte.</p>
<p>Unter Wasser erlebt der Schwimmer eine friedliche Ruhe. Nur von außen betrachtet, irritieren die beunruhigend stille Wasseroberfläche und die optischen Verzerrungen des Körpers im Sonnengitter.</p>
<p>Der inneren Zerrissenheit des Fotografen steht eine melancholische Leichtigkeit gegenüber. Die Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen steht hier nicht an erster Stelle, sondern die durch das visuelle Phänomen verbildlichte Emotion &#8211; ein frühes und wichtiges Stilmittel.</p>
<p>Da Budapest nach dem Zerfall der Monarchie kein geeignetes Umfeld für einen künstlerischen Werdegang bot, ließ sich der ambitionierte Kertész 1925 am Montparnasse in Paris nieder.</p>
<p>Kertész hatte allerdings weder die notwendigen finanziellen Mittel noch die Kontakte zur kreativen Avantgarde – ganz anders als sein Zeitgenosse Man Ray, der andere wichtige Wegbereiter der künstlerischen Fotografie.</p>
<p>Als „Fotoreporter“ schuf sich Kertész 1928 ein zweites Standbein und nahm Aufträge für Zeitschriften an, für die er wunderbare Porträts von Mondrian oder der Romanciere Colette erstellte.</p>
<p>Unablässig unternahm Kertész Streifzüge durch Paris und die Banlieues und schuf innerhalb eines Jahrzehnts seine bedeutendsten Fotoaufnahmen. Mit Motiven, die noch wenige Jahre zuvor niemand eines Fotos für würdig erachtet hatte, übte Kertész großen Einfluss auf seine Zeitgenossen wie Henri Cartier-Bresson oder seinen Landsmann Brassaï aus.</p>
<p>Kertész hielt grafisch markante und oft überraschende Ansichten alltäglicher Situationen fest: seien es senkrecht von oben aufgenommene Personen mit langen Schatten, die Dächer von Paris oder Straßenszenen.</p>
<p>Der Fotograf stand zwar den Dadaisten nahe und beeindruckte mit der beunruhigenden Fremdheit des Schwimmers die Surrealisten, gehörte aber nie einer konkreten Stilrichtung an. Kertész blieb schon deshalb Außenseiter, weil er nie richtig Französisch lernte und ausschließlich in der ungarischen Emigrantengesellschaft verkehrte.</p>
<p>Einen künstlerischen Höhepunkt erreichte Kertész mit der Serie „Verzerrungen (1933).</p>
<p>Wie schon für den „Unterwasserschwimmer“ nutzte Kertész die Verzerrung als Stilmittel. Er lichtete seine Modelle mit Hilfe von Zerrspiegeln in frappierenden (und damals wenig geschätzten) Ansichten ab.</p>
<p>Kertész künstlerisch produktivste Phase brach ab, als der jüdische Künstler 1936 nach New York emigrierte. Wieder befand sich der Fotograf mittellos in einem Land, dessen Sprache er nicht beherrschte. So bemerkte Kertész einmal: „Mein Englisch ist schlecht, mein Französisch ist schlecht. Die Fotografie ist meine einzige Sprache.“</p>
<p>In Amerika bildete sich aber gerade mit Fotografen wie Walker Evans eine ganz neue Bildsprache heraus. Kertész arbeitete wieder als Foto-Journalist für die <em>Vogue </em>oder <em>Harper´s Bazaar</em> sowie für <em>House and Garden. </em></p>
<p>Seine Bedeutung als Pionier der Reportagefotografie ist unumstritten, doch als Künstler gerät er in Vergessenheit. Viele seiner Aufnahmen gingen im II. Weltkrieg verloren. Erst 1963 auf einer Reise nach Paris entdeckte er einen Großteil seiner Negative wieder.</p>
<p>Sie inspirierten ihn zu neuer künstlerischer Arbeit und brachten endlich internationale Anerkennung. Auch das Spätwerk belegt eine ungewöhnliche schöpferische Kontinuität, die in Kertész Fall über siebzig hoch produktive Jahre einfasste.</p>
<p>Beim Flanieren durch New York entstanden etwa herrliche Bildkompositionen von einer Treppenanlage des Central Park im Schnee. Als Kertész nicht mehr flanieren konnte, machte er kurzerhand Polaroid-Aufnahmen von seiner Balkonwohnung am Washington Square aus, seinem „Beobachtungsposten“, wie er ihn humorvoll nannte.</p>
<p>In „From my window“ (1981) verarbeitete Kertész auch den Tod seiner geliebten Frau Elisabeth – die innige Liebe hielt ein halbes Leben. In den Bildern ist Kertész melancholische Leichtigkeit wieder ganz präsent und gewährt tiefste Einblicke in eine komplexe und sensible Seele.</p>
<p><strong>André Kertész </strong><strong>–</strong><strong> Fotografien</strong><strong>, Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, </strong><strong>Mi-Mo 10-20 Uhr, Di geschlossen; Dienstag nach Pfingsten, 14.6.2011 geöffnet; </strong><strong>bis 11. September 2011</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Laila Niklaus (TIP, Sommerbeilage Heft 13/2011)<br />
</strong></p>
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		<title>Kopfsache: Jenny Brockmann</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Mar 2011 10:08:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laila</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kopfsache]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Zentrum der Ausstellung steht der innen hell erleuchtete "scheue Raum", ein zu allen Seiten geöffneter Kubus, dessen Türen sich bei der Annäherung eines Betrachters graduell verschließen, wie die Blätter einer Venusfalle.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_153" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/03/Jenny-Brockmann-klein.jpg"><img class="size-medium wp-image-153" title="Jenny Brockmann" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/03/Jenny-Brockmann-klein-300x224.jpg" alt="&quot;Der scheue Raum&quot;" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Haus am Lützowplatz</p></div>
<p>Jenny Brockmann verwirft die physikalische Ordnung zwischen Mensch und Raum mit technisch raffinierten Raumskulpturen, die Lewis Carrolls berühmten Kinderbuch &#8220;Alice im Wunderland&#8221; entstiegen sein könnten.<span id="more-34"></span></p>
<p><em>LN: Im Zentrum der Ausstellung steht der innen hell erleuchtete „Scheue Raum“, ein zu allen Seiten geöffneter Kubus, dessen Türen sich bei der Annäherung eines Betrachters graduell verschließen, wie die Blätter einer Venusfalle. Was passiert im Kopf des Besuchers wenn ein Raum vor seinen Augen quasi eigenmächtig vom zugänglichen in den geschlossenen Zustand wechselt?</em></p>
<p>JB: Venusfalle ist interessant, weil diese Pflanze eigentlich zuklappt, wenn sie ein Insekt fängt und der Raum im Gegensatz dazu sich vor „etwas“ verschließt. Andererseits ist etwas in dem Raum enthalten, was anziehend wirkt. Das Verborgene weckt Sehnsüchte und der Raum hält gewissermaßen auch etwas gefangen.</p>
<p><em>LN: Wie wichtig ist Dir die Interaktion mit dem Publikum?</em></p>
<p>JB: Ohne Personen, die den Raum erfahren oder eben nicht erfahren, existiert der Raum nicht in seiner eigentlichen Bestimmung, er bleibt offen. Ein spannender Moment ist, wenn mehrere Menschen den Raum umgeben. Die müssen sich nämlich absprechen, damit sie einen Blick in das Innere des Kubus erhaschen können.</p>
<p><em>LN: In der Installation „Rhythmus der Zelle“ werden Gitterstäbe mittels Druckluft in Atembewegung versetzt und imitieren den menschlichen Brustkorb. Welche geistigen Bezüge stecken hinter den von Dir hervorgerufenen Analogien zwischen Mensch und Raum?</em></p>
<p><em> </em></p>
<p>JB: Die „Zelle“ ist Mikrokosmos und Makrokosmos zugleich: einerseits ist es die Beklemmung im Inneren eines Menschen andererseits die Einschränkung von Außen. Ich versuche dem innersten Raum die offenste nur mögliche Form zu geben. Nur natürlich also, dass mich Arbeiten von Michel Foucault oder Filme von Stanley Kubrik faszinieren.</p>
<p><strong>Jenny Brockmann, &#8220;Scheuer Raum&#8221;, Studiogalerie, Haus am Lützowplatz, Lützowplatz 9, Berlin Tiergarten, Di-So 11-18Uhr, bis 30. Januar</strong></p>
<p>Das Interview führte Laila Niklaus (TIP, veröffentlicht: 22.06.2011)</p>
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