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	<title>k u n s t        u n ( d )         s i n n &#187; Atelierbesuch</title>
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	<description>&#34;Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.&#34;                                                   (Ludwig Hevesi, Wahlspruch der Wiener Secession)</description>
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		<title>Atelierbesuch: André Butzer</title>
		<link>http://www.kunstundsinn.de/?p=451</link>
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		<pubDate>Fri, 24 Feb 2012 13:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laila</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atelierbesuch]]></category>
		<category><![CDATA[Akademie Isotrop]]></category>
		<category><![CDATA[André Butzer]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Galerie Guido W. Baudach]]></category>
		<category><![CDATA[Jonathan Meese]]></category>
		<category><![CDATA[Saatchi]]></category>
		<category><![CDATA[Science-Fiction-Expressionismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die meisten Künstler wollen unbedingt nach Berlin. Sie wollen dazugehören zur Kunstszene, streben nach Ausstellungen und Anerkennung. Der Maler André Butzer hat sich hingegen mit seiner Familie an den Stadtrand zurückgezogen—er hat bereits alles erreicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_452" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/installation_view_wien.jpg"><img class="size-medium wp-image-452" title="installation_view_wien" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/installation_view_wien-300x204.jpg" alt="" width="300" height="204" /></a><p class="wp-caption-text">André Butzer</p></div>
<p><strong>Die Evolution des Malers AB (Der Künstler als Gesamtkunstwerk)</strong></p>
<p>Die meisten Künstler wollen unbedingt nach Berlin. Sie wollen dazugehören zur Kunstszene, streben nach Ausstellungen und Anerkennung. Der Maler André Butzer hat sich hingegen mit seiner Familie an den Stadtrand zurückgezogen—er hat bereits alles erreicht.<span id="more-451"></span></p>
<p>Butzer ist international angekommen, zumindest was seinen Marktwert angeht. Aktuell zeigt der Maler als einer von zwei Dutzend jungen deutschen Künstlern Bilder in der Ausstellung „Gesamtkunstwerk &#8211; New Art from Germany“ in der Saatchi Gallery in London.</p>
<p>Charles Saatchi beteiligte sich in den Neunziger Jahren nicht unwesentlich an der Promotion der Young British Artists, darunter Damien Hirst und Tracey Emin—doch dazu später mehr.</p>
<p>Der gebürtige Schwabe Butzer lebt und arbeitet seit fünf Jahren auf einer beeindruckenden vier Hektar großen Teilfläche einer Flugzeugfabrik aus den 1930er Jahren in Rangsdorf. Vom dazugehörigen Flughafen flog Graf von Stauffenberg zu seinem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 nach Ostpreußen.</p>
<div id="attachment_453" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-5-von-16.jpg"><img class="size-medium wp-image-453" title="Atelierbesuch Andre Butzer (5 von 16)" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-5-von-16-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">André Butzer vor seinem Atelier</p></div>
<p>Gleich zu Beginn gibt Butzer, ein asketischer Typ in moosgrüner Lodenstrickjacke mit Hornknöpfen, eine kleine Führung über das Gelände der ehemaligen Bücker-Flugzeugbau-Werke.</p>
<p>Das Verwaltungsgebäude und die Kantine für Ingenieure von 1938, in dem das Atelier untergebracht ist, sind L-förmig angeordnet. Dazwischen stehen stattliche Bäume in einer Parklandschaft. Sie wurde von den Sowjets angelegt, die hier bis 1994 stationiert waren. Auf einem abgesteckten Stück lebt eine Hühner – und Ziegengemeinschaft.</p>
<p>Das modernistische Ensemble wirkt wie die Kulisse in einem russischen Science-Fiction-Streifen von Sergej Eisenstein.</p>
<p><strong>Kreativlabor &#8211; die Kantine für Ingenieure</strong></p>
<p>Den Eingang zum Atelier, einem rechteckigen Gebäuderiegel mit vorgesetzter halber Rotunde, ziert eine Plakette mit Maxim-Gorki Relief. In kyrillischer Schrift ist der Spruch verzeichnet: „Liebe zu Büchern ist die Quelle zu Wissen.“</p>
<p>In dem 800m2 großen Atelier ist es angenehm warm und aufgeräumt. Wattiges Licht fällt durch üppige Glasfenster in den kathedralenartigen Raum. Es duftet nach Farbe. An den Wänden stehen vier riesige Leinwände, die Butzer im Frühjahr in seiner Berliner Galerie Guido W. Baudach ausstellen wird.</p>
<p>Butzer zählt neben den Malern Thomas Zipp und Andreas Hofer zu den in der Szene als „Baudach-Boys“ bezeichneten Künstlern, die in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg vom Rand der Berliner Szene in die vorderste Reihe hinlegten.</p>
<div id="attachment_455" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-9-von-16.jpg"><img class="size-medium wp-image-455" title="Atelierbesuch Andre Butzer (9 von 16)" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-9-von-16-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Blick in das Atelier mit den neuen Bildern</p></div>
<p>Bei den neuen Werken handelt es sich um große Ölschinken, die auf den ersten Blick lediglich jeweils ein vertikales und ein horizontales Rechteck auf grauem Grund zeigen.</p>
<p>Die abstrakte Werkgruppe aus insgesamt 40 Leinwänden, ohne Titel, ist für Butzer Fans ein radikaler Kontrast zu den früheren Werken, die expressiv farbig sind.</p>
<p>Bei näherer Betrachtung der grauen Bilder treten jedoch zarte Farben unter der Bildhaut hervor. Hautähnliche Töne, blauschimmernde Wolkenstrukturen oder ein Farbflimmern, das wie eine Vibration auf die Pupille einwirkt.</p>
<p>Butzer, auf der Suche nach (eigenen) bildnerischen Gesetzmäßigkeiten, wendet sich mit dieser Reihe absoluten Grundformen der Malerei zu. Es ist eine von Butzers Methoden, in Anlehnung zur Kunstgeschichte zu arbeiten. „Meine Bilder handeln nicht von mir“, behauptet er, sondern von weitergeführten Ideen anderer Künstler, wie Mondrian oder Cézanne.</p>
<p>In einer Ecke des Ateliers hängt eine weitere Inspiration. Die Kopie eines Raffael Porträts der Mutter Maria. Das Bild trage laut Butzer keine Farbe in sich, sondern beherberge sie. Und genau das versuche Butzer in seinen neuen Arbeiten, so weit er sich auch von der Inspiration entfernt haben mag.</p>
<p><strong>Vom Nobody zum internationalen Künstlerdarling</strong></p>
<div id="attachment_459" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-15-von-16.jpg"><img class="size-medium wp-image-459" title="Atelierbesuch Andre Butzer (15 von 16)" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-15-von-16-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">André Butzer in seinem Atelier</p></div>
<p>Nichts wies bei dem 1973 in Stuttgart geborenen Butzer darauf hin, dass er einmal ein international goutierter Künstler werden würde. Butzer wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Die Mutter war Friseuse, der Vater Werkzeugmacher für IBM.</p>
<p>Erst als Zivildienstleistender in Hamburg entdeckte Butzer die Lust an der Malerei, als er in der Kunsthalle eine Bilderserie des figurativ-abstrakten Malers Asger Jorn (1914-1973) sah.</p>
<p>Butzer entwickelte daraufhin einen komplizierten Bildkosmos mit eigener Interpretationsanleitung. Er schuf etwas Neues, was von außen wie die Absage an die Tugenden der Malerei wirkt. Seine verstümmelten, cartoonhaften Figuren in auf die Leinwand geschmierten grellen, oft hässlichen Farben, sind ein Angriff auf die Sinne.</p>
<p>So verwundert es nicht, dass Butzer nach nur zwei Semestern von der Hamburger Kunsthochschule ausgeschlossen wurde. Er sei wohl zu unangepasst gewesen, mutmaßt Butzer rückblickend.</p>
<p>Stattdessen gründete Butzer 1996 mit über zwanzig Gleichgesinnten, darunter auch Jonathan Meese, die egalitäre Künstlergruppe „Akademie Isotrop“.</p>
<p>Ziel der losen Vereinigung war die Organisation eigener Seminare fern der Kunstakademie und das autonome Ausstellen und Publizieren. Kurz nach der Auflösung der Gruppe nach nur vier Jahren zog Butzer in die Berliner Karl-Marx-Allee.</p>
<p>Seine ersten Ausstellungen in der Galerie Baudach und bei Max Hetzler waren umfassende Misserfolge. Kritiker beurteilten Butzers Werke als reaktionär und dilettantisch, sogar sinnlos. Andere Künstler allerdings entdeckten den Maler für sich, wie Albert Oehlen.</p>
<p>Darauf folgten Sammler, die Butzers Arbeit als progressiv, post-konzeptuell und provokant wahrnahmen.</p>
<p>Butzer hat seit den 1990er Jahren ungefähr 700 Gemälde gemalt, die heute mehrheitlich verkauft und in wichtigen Sammlungen untergebracht sind, etwa in der Sammlung Taschen, Goetz, Scharpff oder der Rubell Collection.</p>
<p><strong>Das System Saatchi</strong></p>
<div id="attachment_456" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-1-von-16.jpg"><img class="size-medium wp-image-456" title="Atelierbesuch Andre Butzer (1 von 16)" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-1-von-16-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Andre Butzer und der Fotograf Oliver Wolff</p></div>
<p>Auch Charles Saatchi kaufte in den Neunziger Jahren Werke des Künstlers. Sie sind in der aktuellen Londoner Ausstellung neben Werken von Isa Genzken, Jeppe Hein oder Corinne Wasmuth zu sehen.</p>
<p>Butzer hatte keinerlei Einfluss darauf, was der passionierte Kunstliebhaber Saatchi zeigen würde. Dass seine Werke im Anschluss wieder auf den Markt kommen und im besten Fall seinen Wert steigern werden, kann Butzer aber nicht unrecht sein.</p>
<p>Saatchi gründete seine Galerie vor über zwanzig Jahren und macht seine umfangreiche Sammlung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Doch wegen des Verdachts auf gezielte Manipulation bleibt die Rolle des Werbemagnaten im Kunstbetrieb umstritten.</p>
<p>Die Schau will die Frage klären, wie es um die Idee vom Gesamtkunstwerk in Deutschland stehe. Das Magazin Monopol bezeichnet diesen Versuch allerdings als „musealen Bluff“. Auch im Guardian kommt Butzer nicht gut weg. Er sei ein Künstler, der ganz bestimmt nicht gemocht werden will.</p>
<p>Fest steht: Ein Künstler, der sich die Mechanismen des Marktes zueigen macht, ist nicht unbedingt beliebt. Butzer steuert und verwaltet seine eigene Produktion mit der Akribie eines global agierenden mittelständischen Unternehmers.</p>
<p>Aus rein ästhetischer Sicht würde niemand einen Butzer an die Wand hängen. Er ist, technisch gesehen, kein besonders guter Maler. Doch einesuss man dem Künstler lassen: er trifft mit seiner Kunst ziemlich genau den Zeitgeist – dafür kann man ihn mögen oder nicht.</p>
<p><strong>Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt</strong></p>
<p>Butzer bezeichnet seinen Stil selbst als Science-Fiction-Expressionismus. Seine Bilder sind quasi gattungslos. Alles ist bewusst offen gehalten. Es werden keine linearen Geschichten erzählt, stattdessen wird ein Thema in ausgedehnten Serien variiert.</p>
<p>Der Maler nimmt gerne Bezug auf Persönlichkeiten wie Henry Ford oder Walt Disney, die eine Kultur der industrialisierten Massenproduktion sowohl in der Wirtschaft wie in der Unterhaltungsbranche geprägt haben. Damit schlägt Butzer eine Brücke zum Readymade und zur Pop-Art.</p>
<p>Butzer bedient sich gerne weiter Assoziationsfelder und aller möglichen Stile und Techniken. Der Künstler spannt mit seinen Arbeiten einen weiten Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Realität und Utopie, zwischen Expressionismus und Comic. Letztlich wirken die grotesken Übereinanderschichtungen und dichten Paletten üppiger Farben wie ein donquichottisches Streben nach Sinn.</p>
<p>Bei der Betitelung seiner Werke setzt Butzer oft Zweideutigkeit oder Ironie ein und vermischt Wort- und Bildassoziationen gekonnt miteinander. Im letzten Jahr betitelte der Maler seine erste große Einzelausstellung in der Kestnergesellschaft in Hannover ironisch und angelehnt an die Carlsberg-Bierwerbung mit „Der wahrscheinlich beste abstrakte Maler der Welt.“</p>
<p>Die aktuellen monochromen Bilder tragen keine Titel mehr. „Vor einem Jahr habe ich den letzten Titel vergeben“, erläutert Butzer. „Früher erfand ich die irrsinnigsten Titel. Umso dramatischer wirkt es, heute keine mehr zu vergeben.“</p>
<p><strong>Butzer vs Koons</strong></p>
<p>Butzer wirkt wie ein Antipode zu seinen Bildern. Er ist weder provokant, noch schwer greifbar, sondern sympathisch und ein wenig schräg.</p>
<div id="attachment_454" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-2-von-16.jpg"><img class="size-medium wp-image-454" title="Atelierbesuch Andre Butzer (2 von 16)" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2012/02/Atelierbesuch-Andre-Butzer-2-von-16-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Butzer vs Koons</p></div>
<p>Als der TIP-Fotograf Butzer in einer alltäglichen Handlung ablichten möchte, greift der Künstler spontan zu einem kanariengelben Staubsauger und bearbeitet den Boden vor seinen Bildern damit. Der Rücken ist gekrümmt, das Gesicht ernsthaft. Wer aber meinte, diese Aktion geschehe völlig ohne Hintergedanken, irrt.</p>
<p>„Das hätten wir auch erledigt“, sagt Butzer beim Ausschalten des Geräts und verweist auf Jeff Koons, den er mit dieser Aktion karikieren will. Koons stellte in den 80er Jahren Staubsauger der Firma Hoover in Vitrinen aus und bezeichnete die Serie „New Hoover Celebrity“ als dreidimensionale Malerei.</p>
<p>Jede auf naivem Ernst basierende Kritik an der Mission eines Künstlers wie Butzer läuft bei solch entwaffnenden Aktionen zwangsläufig ins Leere.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>André Butzer, Galerie Guido W. Baudach, bis 10. März, Oudenarder Strasse 16-20, Wedding, Di-Sa 11-18 Uhr</strong></p>
<p><strong>Laila Niklaus</strong> (im tip-Magazin erschienen im Januar 2012)</p>
<p><a title="Artikel Amdré Butzer im tip-Magazin" href="http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-kunst-und-museen/atelierbesuch-bei-andre-butzer" target="_blank">http://www.tip-berlin.de/kultur-und-freizeit-kunst-und-museen/atelierbesuch-bei-andre-butzer</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Atelierbesuch: Die Malerin Sophie Holstein</title>
		<link>http://www.kunstundsinn.de/?p=406</link>
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		<pubDate>Tue, 29 Nov 2011 16:46:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Laila</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Atelierbesuch]]></category>

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		<description><![CDATA[Meine Zeichnungen sind kleine Versprechen Interview Laila Niklaus Sophie Holstein empfängt Gäste in ihrem Atelier in einem alten Gewerbehof in Kreuzberg. Die achtundzwanzigjährige Malerin und ihr Temperament haben wenig Platz in dem schmalen Atelier, das überquillt mit herrlichen Ölgemälden und Zeichnungen. Holstein pflegt eine figurative Malerei, die man als magischen Realismus bezeichnen könnte. Wirklichkeit und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_407" class="wp-caption alignleft" style="width: 233px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/IMG_0415.jpg"><img class="size-medium wp-image-407" title="IMG_0415" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/IMG_0415-223x300.jpg" alt="" width="223" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Öl auf Leinwand</p></div>
<p><strong>Meine Zeichnungen sind kleine Versprechen</strong></p>
<p><strong>Interview Laila Niklaus</strong></p>
<p>Sophie Holstein empfängt Gäste in ihrem Atelier in einem alten Gewerbehof in Kreuzberg. Die achtundzwanzigjährige Malerin und ihr Temperament haben wenig Platz in dem schmalen Atelier, das überquillt mit herrlichen Ölgemälden und Zeichnungen. Holstein pflegt eine figurative Malerei, die man als magischen Realismus bezeichnen könnte. Wirklichkeit und magische Elemente verschmelzen in ihren Bildern zu einer dritten Ebene.</p>
<p><span id="more-406"></span></p>
<p>Der Begriff des magischen Realismus wurde von dem Kunstkritiker Franz Roh in einem Artikel in der Zeitschrift Revista de Occidente (1927) geprägt. Besonders in der lateinamerikanischen Literatur vertreten, scheint es wird dieser Stil nun wieder von der Malerei aufgegriffen.</p>
<p><strong><em>LN: Sophie, im Zentrum Deiner Malerei stehen Menschen. Sie tauchen überall auf, ob in kleinformatigen Zeichnungen oder farbintensiven Großformaten. Als Einzelfigur, als Paar oder in Gruppen. Was fasziniert Dich am Thema Mensch?</em></strong></p>
<p>SH:  Mich interessiert zum Beispiel das Unvermögen jemals zu wissen, was ein anderer Mensch wirklich fühlt. Der Graben zwischen uns ist es wohl, der mich am meisten beschäftigt. Diese Lücken zwischen den Menschen ist der Nährboden für Konflikte und unsere gegenseitige Faszination.</p>
<p><strong><em>LN: Deine Malerei scheint sich auf mindestens vier Blöcke zu konzentrieren: Zeichnung, Aquarell, Tinte und großformatige Leinwand. Warum? </em></strong></p>
<p>SH: Die Arbeit mit verschiedenen Werkstoffen kommt mir so vor, als würde ich wie zwischen zwei Sprachen hin- und her springen. Auch wenn man die gleiche Geschichte erzählt, ergibt sich in der jeweiligen Sprache ein eigener Erzählweg.</p>
<p><strong><em>LN: Auf den Leinwänden entwickelst Du vielschichtige Geschichten, während die kleinen Aquarellzeichnungen abstrakter wirken. Wann malst Du was, warum?</em></strong></p>
<div id="attachment_408" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/vase1.jpg"><img class="size-medium wp-image-408" title="vase1" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/vase1-300x227.jpg" alt="" width="300" height="227" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Tinte</p></div>
<p>SH: Ja, ein mit Tinte gemalter Stuhl vermittelt einen anderen Eindruck als einer in Ölfarbe. Die Durchlässigkeit von Aquarell oder Tinte, die Verletzlichkeit von Papier inspirieren mich dazu dieses Gefühl auch auf die Menschen in den Bildern zu übertragen.</p>
<p>Ich empfinde bei Ölfarben eher ein Verlangen über Konstruktion und Illusion nachzudenken. Die geschmeidige Farbe kann in Lasuren vernebeln oder brutal verdecken was unter ihr liegt. Ich setze Ölfarbe ein, um ein Bild zum Leuchten zu bringen und damit die Szene optisch aus dem Bild hervortritt. Die Farbe dient dabei nicht nur der Kolorierung, sondern schafft ein Gefühl von Temperatur und Raumtiefe und für die Struktur unterschiedlichster Materialien.</p>
<p><strong><em>LN: Du hast mir mal gesagt, dass Deine Zeichnungen für Dich wie kleine Gebete, Gedanken oder Versprechungen wären. Wie meinst Du das?</em></strong></p>
<div id="attachment_409" class="wp-caption alignleft" style="width: 222px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/sc000d8cb0.jpg"><img class="size-medium wp-image-409" title="sc000d8cb0" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/sc000d8cb0-212x300.jpg" alt="" width="212" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Tinte</p></div>
<p>SH: So denke ich über die kleinen Tintenzeichnungen, die zwar aus unzähligen Schichten von Tinte bestehen, tatsächlich aber nur Umrisse oder Silhouetten von Figuren und abstrakten Formen zeigen. Sie beschreiben keine Geschichte sondern nur ein Gefühl.</p>
<p>Ich zeige weder ein erkennbares Umfeld noch gebe Indizien darauf, in welcher Zeit diese Körper sind. Mir geht es weder um Konstruktion und Plan, sondern nur um die Energie und Konzentration im Prozess des Zeichnens.</p>
<p>Um die Direktheit der Handlung, denn auf dem Papier wird nichts verborgen.</p>
<p>Wenn die Feder die Oberfläche des Papiers beim beschreiben der Linie, die am Ende eine Hand darstellt, verletzt wird und die mit Wasser verdünnten Pigmente in die tieferen Schichten eindringen werden die Formen irgendwie wahrhaftig.</p>
<p><strong><em>LN: Als zeitgenössische Künstlerin ist es eher ungewöhnlich, dass Du „nur“ ein Medium bedienst. Also nicht auch noch Video, Fotografie und Installationen machst. Bist Du der Malerei verfallen?</em></strong></p>
<p>SH: Vielleicht kommt der Moment noch in dem ein anderes Medium geeigneter wird. Augenblicklich empfinde ich das Papier oder die Leinwand als flach, doch sobald Ideen hinzukommen verwandelt sich die Fläche in ein Fenster.</p>
<p><strong><em>LN: Die Personen auf Deinen Leinwänden wirken chronisch unzufrieden, melancholisch oder entrückt. Woher kommen die Figuren auf Deinen Bildern? Was sind zentrale Themen für Dich?</em></strong></p>
<div id="attachment_410" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/IMG_8114.jpg"><img class="size-medium wp-image-410" title="IMG_8114" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/IMG_8114-300x224.jpg" alt="" width="300" height="224" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Aquarell</p></div>
<p>SH: Die Menschen auf den Bildern sind zugleich ausgedacht und basieren auf meinen eigenen Erfahrungen, Gedanken und Beobachtungen.</p>
<p>Mich interessiert die jugendliche Suche nach einem eigenen Weg durchs Leben, die von Hoffnung und Angst begleitet wird. Es ist wie die Jagd nach einem flüchtigen Versprechen. Dabei werden Gegenstände mit Wünschen aufgeladen, etwa Glücksbringer oder Maskottchen und manchmal dienen spirituelle Rituale als Geländer auf dem Lebensweg.</p>
<p>Auf Euphorien folgen Erschöpfungszustände, Depressionen oder auch Langeweile.</p>
<p>Ein Mensch der mit einem unbestimmten Gefühl von Unsicherheit einschläft, kann sich am nächsten Morgen bereits wieder als ‚auf dem richtigen Weg’ fühlen.</p>
<p>Es muss sich faktisch nichts geändert haben um Gefühle von Zuversicht und Desillusion im verwirrenden Wechselspiel zu erleben.</p>
<p><strong><em>LN: Ein wichtiges Stilmittel, um Emotionen nach außen zu kehren, scheint für Dich die Perspektive zu sein. Sie scheint oft ein Stück verschoben. Warum machst Du das?</em></strong></p>
<p>SH: Ich mache das wegen der Ambivalenz. Aus jedem Blickwinkel ergibt sich die Umgebung anders und auf jedes Gemüt wirkt ein Raum verschieden. Das Nebeneinander der verschiedenen Empfindungen übersetze ich in die Komposition eines Bildes.</p>
<p>Es geht mir selten um die reine Anwesenheit und Abbildung einer bestimmten Sache, sondern vielmehr um die Atmosphäre die sie vermittelt.</p>
<p><strong><em>LN: In Deiner Malerei entwirfst Du eine Art magische Realität mit doppelten Böden und alltäglichen Helden. Doch aus den Bildern ergeben sich keine eindeutigen Geschichten. Wie wichtig ist es Dir diese Verwirrung hervorzurufen? Und was gibst Du am Ende doch mit auf den Weg?</em></strong></p>
<p>SH: Ich bemühe mich so präzise wie möglich zu sein- dennoch ist meinen Bildern nicht eine bestimmte ‚Nachricht’ übergeordnet die sich mühsam im Bild verschlüsselt.</p>
<p><strong><em>LN: Deine Kompositionen sind aufgebaut wie Theaterkulissen. Skurrile Details lösen Assoziationsketten aus, etwa durch altmodisches Spielzeug, Kuscheltiere oder ein Ringelschweinchen auf einem Holzblock. Sind diese Objekte Anti-Symbole oder Fetisch-Metaphern, die nur für Dich einen tieferen Sinn haben?</em></strong></p>
<div id="attachment_411" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/Holstein_1.jpg"><img class="size-medium wp-image-411" title="Holstein_1" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/Holstein_1-300x217.jpg" alt="" width="300" height="217" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Öl auf Leinwand</p></div>
<p>SH: Ich kann diese Art der Details nicht zusammenfassend erklären da die Mehrdeutigkeit aus meiner Sicht das Interessante ist. Zunächst gibt es eine tiefere Bedeutung im Nichts- wir können eine Sache immer wieder neu mit Bedeutung aufladen. Die Bereitschaft Sinn zu suchen und zu geben ist dem Menschen eigen.</p>
<p>Mein Ziel ist es aber nicht Symbole zu erschaffen, die sich nur dem Wissenden mitteilen, sondern jedem der auf sein eigens Gefühl achtet.</p>
<p>Es geht mir darum, dass man richtig liegt in dem Moment, wo man selber assoziiert und nicht die Abkürzung über den Intellekt nimmt. Sobald ein Symbol im Bild nicht mehr einen Charakter hat sondern nur der Sinnträger ist, braucht es nicht gemalt zu werden. Es hätte auch mit einem Wort definiert sein können.</p>
<p><strong><em>LN: Du bist auf dem norddeutschen Land aufgewachsen, Deine Bilder zeigen aber ausschließlich Räume. Woran liegt das?</em></strong></p>
<p>SH: Als Kinder auf dem Land haben wir die meiste Zeit entweder Höhlen oder Welten aus Playmobil und Holzklötzen gebaut. Einmal habe ich eine Freundin besucht und sie hatte auf ihren Teppich Linien gezeichnet die ihr Zimmer in lauter kleine „Zimmerchen“ unterteilten.</p>
<p>Selbstverständlich durfte man nicht einfach darüber steigen sondern musste durch die eingezeichneten Türen gehen. Sprechen konnte man auch nur wenn man sich im gleichen „Raum“ aufhielt. Ich erinnere nicht mehr genau ob ich mich nicht sogar einsam fühlte, allein auf der anderen Seite der Klotzlinie.</p>
<p>Mich interessieren Bedürfnisse und Wünsche der Menschen, die sich in den von ihnen geschaffenen Räumen widerspiegeln.</p>
<p><strong><em>LN: Besonders oft tauchen Kinder oder infantil wirkende Erwachsene in Deinen Bildern auf. Du zeigst etwa schlafende Kinder in einer Serie auf Mini-Leinwänden. Oder Porträts von Kinderköpfen, die überaus schelmisch wirken. Was fasziniert Dich an Kindern?</em></strong></p>
<div id="attachment_412" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/junge-zeichnet-stadt.jpg"><img class="size-medium wp-image-412" title="junge zeichnet stadt" src="http://www.kunstundsinn.de/blog/upload/2011/11/junge-zeichnet-stadt-300x226.jpg" alt="" width="300" height="226" /></a><p class="wp-caption-text">Ohne Titel, Tinte und Aquarell</p></div>
<p>SH: Die Vorstellung das Kinder den Dingen völlig unbefangen eine eigene Bedeutung schenken. Bevor ein Kind gelernt hat Funktionalität und Allgemeingültigkeit der eigenen Fantasie überzuordnen, entsteht in jedem Kind eine individuelle Auffassung ihrer Umgebung.</p>
<p>Stolperst du nicht manchmal über eine Sache, zu der Du als Kind eine besondere Beziehung hattest? Über einen Stoff, von dem Du dachtest, dass eine Kolonie von Sandkornraupen darin lebt und Burgen baut, der sich Jahre später doch bloß als schnöder Vorhang entpuppte?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Danke für das Gespräch!</p>
<p>SH: Danke Laila, für Deine Fragen!</p>
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<p><strong>Sophie Holstein, </strong><a href="http://www.sophieholstein.com/"><strong>www.sophieholstein.com</strong></a><strong></strong></p>
<p><strong>Nächste Ausstellung: </strong></p>
<p>Anfang Februar 2012, Gruppenausstellung Paris, Galerie Daniez &amp; de la Charette (Zeichnungen) <a href="http://www.galerieddc.com/">http://www.galerieddc.com/</a></p>
<p>Mai 2012, Einzelausstellung in der Galerie Lacke und Farben, Berlin, <a href="http://www.lackefarben.de/">http://www.lackefarben.de/</a></p>
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<p><strong><em><span style="text-decoration: underline;">Sophie Holstein:</span></em></strong></p>
<p><strong><em>Ausbildung:</em></strong><em></em></p>
<p><em>2006-2008 BFA, Parsons The New School for Design, New York</em></p>
<p><em>2004-2006 Parsons School of Design, Paris, Master in Fine Arts </em></p>
<p><strong><em>Einzelausstellungen:</em></strong><em></em></p>
<p><em>2009 Galerie Kuckucksnest, Berlin</em></p>
<p><strong><em>Gruppenausstellungen:</em></strong><em></em></p>
<p><em>2009 lets go home, S-KAI building, Hamburg<br />
2008 Thesis Show, MC Gallery, New York<br />
2007 City Symphonies/Urban Muck, fifth floor Gallery, New York<br />
2007 Mentor- Meteor, fifth floor Gallery, New York<br />
(Catalog with essay by Tom Zummer)<br />
2005 Parsons School of Design,<br />
End of the year show at Espace commune, Paris<br />
2004 Parsons School of Design Gallery, Paris</em></p>
<p><strong><em>Auszeichnungen:</em></strong><em><br />
2006-2007 BFA Deans Scholarship</em></p>
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